Yesterday & Today: Wie die „Beatmæn“ die Halle 16 in die Abbey Road verwandelten

Wenn eine Band am 23. Mai die Bühne betritt und das Publikum von der ersten Sekunde an komplett in ihren Bann zieht, dann kann es sich nur um die Beatmaen handeln. With a little help from their friends – den treuen Fans – lieferte die Band, die seit dem Frühjahr 2019 die Region unsicher macht, ein absolut grandioses Live-Erlebnis ab. Auch in der Halle 16 haben sie im letzten Jahr schon ein Konzert gespielt.

die band spielt auf der bühne. die vier älteren männer tragen weiße hemden und schwarze krawatten

Die vier Musiker stammen direkt aus der Umgebung – aus Dornhan, Sulz, Horb und Oberndorf.

einzelfotos der bandmitglieder: oben links paul, oben rechts bert, unten links hartwig, unten rechts helmut

Paul Herbstreuter: Leadgitarre & Gesang

Bert Henger: Gitarre, Gesang & Mundharmonika

Hartwig Kuscha: Bass, Gesang & Moderation

Helmut Scherle: Drums, Percussion & Gesang

Bis Mitte der 60er-Jahre waren die Beatles keine Studio-Einsiedler, sondern eine unaufhaltsame, hochtourige Live Band. Frisch aus den verrauchten Clubs in Hamburg, wo sie in St. Pauli im Jahr 1960 ihr erstes Konzert unter diesem Namen spielten, und Liverpool importiert, brachten sie einen Sound auf die Bühne, der die Welt aus den Angeln hob: rotzig, knackig und voller purer Energie. 1963 feierten die Beatles dann ihren Durchbruch mit “I want to hold your hand”.

Weil die Technik damals überhaupt nicht für solche Menschenmassen ausgelegt war, mussten die Beatles 1965 im Shea Stadium in New York vor über 55.000 kreischenden Fans über die eingebauten Lautsprecher der Baseball-Kommentatoren spielen. Das war der Startschuss für die Industrie, endlich gigantische Musikanlagen (PA-Systeme) und Bühnenmonitore zu entwickeln, damit Live-Musik in großen Hallen überhaupt erst hörbar wurde. Angetrieben von messerscharfen Rhythmen und ihrem genialen, mehrstimmigen Satzgesang, brachten sie eine Energie auf die Bühne, die das Konzept von Live-Konzerten völlig revolutionierte.

Die Band auf der Bühne

Den ehrlichen, handgemachten Rock-’n’-Roll- und Beat-Vibe der Anfangstage lassen Coverbands, in starkem Kontrast zu den riesigen, modernen Festival Headliners heutzutage, wieder aufleben – ganz ohne Studio-Tricks, dafür mit maximalem Groove.

Für den perfekten Sixties-Sound überließen die Beatmaen nichts dem Zufall – Money can’t buy me love, aber eben verdammt gutes Equipment! Edle Gitarren von Gibson und dessen Tochterfirma Epiphone, eine klassische Fender Telecaster und die unverkennbare 12-saitige Rickenbacker. Den Rhythmus lieferten ein Ludwig-Schlagzeug, Cajon und der, unter anderem durch Paul McCartney berühmte, Höfner Violin-Bass. Das Ganze lief über das eigene, mitgebrachte Dynacord-Mischpult direkt ins In-Ear-System und dröhnte unter anderem stilecht aus alten Vox-Boxen ins Publikum. Eins war offensichtlich: an technischem Wissen fehlt es hier nicht.

Schon als das Hallen Tor aufging, war klar: All you need is love… und ein verdammt gutes Deo. Mit genau diesem Song läuteten die Beatmaen den Abend ein und kündigten damit ein wahres Mammut-Programm an: Ein Repertoire von knapp 50 Songs stand bereit! Das Besondere und ein echtes Highlight für Puristen: Die Band hat sich voll und ganz der frühen Ära der Pilzköpfe verschrieben. Auf der Setliste standen fast ausschließlich Beatles-Songs, die bis ca. 1965 veröffentlicht wurden. Keine Experimente, sondern der pure, mitreißende Sound der Anfangsjahre!

Es wurde ein Abend der Extreme. Bei schweißtreibenden 30,6 °C in der Halle halfen nur noch Handtücher, mit welchem sich die Band minütlich den Schweiß aus dem Gesicht rieb. Doch das hielt im Publikum niemanden davon ab, mit zuklatschen, zu tanzen und zu singen.

Die Band während ihrem unplugged Set

Die Band hatte sich die Kräfte dennoch perfekt eingeteilt. Das Set- und Style-Design war absolut klug durchdacht, denn die Truppe bewies echtes Modegespür für jede Phase der frühen Beatles-Ära:Beatmaen startete ihr erstes Set voll elektrisch und stilecht in Hemd und Krawatte – ganz im Look der frühen Auftritte in der Ed Sullivan Show. Nach der ersten Pause ging es modisch etwas entspannter und musikalisch intim weiter. Im neuen Outfit spielten sie ein wunderbares, reines Unplugged-Set, bei dem unter anderem das Cajon im Rampenlicht stand. Für das letzte Set wurde sich, während der zweiten Pause, noch einmal umgezogen, bevor es elektrisch begleitet weiterging.

Besonders emotional wurde es, als Hartwig das Stück „I’ll follow the sun“ rührend seiner Frau widmete. Da lag definitiv Something in der Luft (Something wurde dieses mal leider aus dem Programm gestrichen, wurde mir aber für deren nächsten Auftritt in der Halle versprochen).

Die Band von hinten, man sieht das Publikum von vorne

Dass es sich um echte, ehrliche Live-Musik handelte, zeigte sich bei „Back in the USSR“: Da gab Paul an seiner Gitarre so viel Gas, dass glatt die hohe E Saite der Telecaster gerissen ist! Doch echte Profis lassen sich davon nicht beirren – Let it be.

Als gegen Ende die Klassiker „Yellow Submarine“, „Let It Be“ und „Hey Jude“ angestimmt wurden, gab es im ZuschauerInnenbereich kein Halten mehr. Die Menge war so textsicher und enthusiastisch, dass sie gefühlt gar nicht mehr aufhören wollte zu singen. Bei den letzten beiden Songs verwandelte sich unsere Halle zudem in ein echtes Lichtermeer: Überall wurden die Handy-Taschenlampen herausgeholt und passend zum Takt geschwenkt. Ein absoluter Gänsehaut-Moment, der die ohnehin schon heiße Halle emotional komplett zum Schmelzen brachte!

The End war schließlich erst kurz vor halb elf erreicht, und das Publikum ging glücklich nach Hause – mit einem fetten Ohrwurm im Kopf und der Gewissheit: Strawberry Fields Forever, aber die Beatmaen voraussichtlich ganz schnell wieder in der Halle 16!

Wir ziehen den Hut vor den Beatmaen – danke für diese Zeitreise. Danke auch an alle, die diesen Abend überhaupt möglich gemacht haben, ihr habt das super durchgestanden!

Text: Louisa

Fotos: Louisa

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Jour Fixe 04. Juni 2026